Neuerscheinung: BEUYS. Ein Film von Andres Veiel

2017-Veiel-Beuys-FilmplakatSchon während den Arbeiten zu seinem Film Black Box BRD (2001) ist Dokumentarfilmer Andres Veiel auf ein brisantes Thema gestoßen: Die Undurchsichtigkeit der Finanzströme in einer Welt von Hedgefonds und Turbokapitalismus. Bei einem Museumsbesuch 2008 fiel ihm ein Video von Joseph Beuys ins Auge, in dem der Künstler seine Ideen zu einer Demokratisierung des Bankenwesens, sowie der Trennung von Arbeit und Einkommen vorstellte. Das war der Startschuss für Veiels neuesten Dokumentarfilm BEUYS, der am 2. Mai im Düsseldorfer Museum Kunstpalast seine Kinopremiere feiert. Im Februar war er bereits auf der Berlinale zu sehen.

Nicht weniger als 250 Stunden Videomaterial im Medienarchiv des Hamburger Bahnhofs in Berlin bildeten die Hauptquelle für den Regisseur. Nicht mitgerechnet reines Audiomaterial von Vorträgen und Interviews, sowie eigene Gespräche, die Veiel mit Zeitgenossen führte. Die aus dieser Stoffmenge destillierte Collage rückt Joseph Beuys als utopischen Ökonom und politischen Querdenker in den Fokus. Dabei stellt sich eine verblüffende Erkenntnis ein: das grobkörnige Videomaterial aus den Archiven wirkt 31 Jahre nach dem Tode Beuys‘ historisch, die darin geäußerten Gedanken hingegen könnten kaum aktueller sein. Die Schwachstellen und Paradoxien des modernen kapitalistischen Wirtschafts- und Bankensystems sind in den letzten Jahrzehnten immer offensichtlicher geworden und Beuys‘ Lösungsansätze haben von ihrer radikalen Strahlkraft nichts eingebüßt. Der Dokumentarfilm transportiert das utopische Potential des komplexen Beuysschen Kapitalbegriffs vielleicht besser, als es eine Ausstellung mit Werken des Künstlers könnte.

Ein Wermutstropfen ist die Bemerkung des Regisseurs, der Schnitt des Films habe 18 Monate gedauert, weil sich die Klärung der Bildrechte als äußerst kostenintensiv und kompliziert erwiesen hat. Immer wieder mussten Fotos und historische Filmaufnahmen während des Schnitts gestrichen werden, weil die Erwerbung der entsprechenden Rechte zu teuer gewesen sei. Veiel spricht hier ein Problem an, das Autoren von Fachbüchern, Museumskuratoren, Journalisten und Dokumentarfilmer gleichermaßen beschäftigt. Das Recht der Urheber an ihren Medien ist selbstverständlich ein hohes Gut, wenn es aber die Beschäftigung mit historisch relevanten Themen in einem Bildungskontext massiv beeinträchtigt, muss man über einige Details der aktuellen Gesetzeslage vielleicht neu nachdenken. Die Politik der Bilder folgt längst den Spielregeln der Ökonomie. Ob das mit Beuys‘ Kapitalbegriff in Einklang zu bringen ist?

BEUYS
Buch/Regie: Andres Veiel
2017, Produktion: SWR/Arte/WDR/zero one films/Terz Filmproduktion
103 Minuten
Ab 18. Mai im Kino

Externe Links zum Thema:
Offizieller Trailer zum Film
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