Ausstellung: Joseph Beuys. Multiples from the Reinhard Schlegel Collection

„Die Multiples stellen eine relativ robuste und leicht bewegliche Werkgruppe dar, die man ohne größere Schwierigkeiten an zahlreichen Orten installieren kann“, schreibt Eugen Blume in seinem Essay zu einer aktuellen Ausstellung von Beuys‘ Editionen in New York. Beuys hatte von seinen Multiples oft als Vehikel gesprochen, und es ist ein Glücksfall, wenn die heutigen Eigentümer tatsächliche dazu bereit sind, diese kleinen Kunstfahrzeuge hin und wieder auf Reisen zu schicken, wie etwa der Berliner Sammler Reinhard M. Schlegel. Er besitzt eine der größten Kollektionen von Beuys-Multiples überhaupt und es ist wohl die einzige nahezu lückenlose Sammlung dieser Art, die nicht fest an ein Museum gebunden ist. So ist es möglich, dass die Gallerie Mitchell-Innes & Nash in Manhatten zur Zeit eine Überblicksschau mit über 500 Editionen zeigen kann.

Kuratiert hat sie Eugen Blume. Er ist Leiter des Hamburger Bahnhof, Galerie für Gegenwartskunst, Berlin und zeichnete dort 2008/2009 für die große Retrospektive BEUYS. Die Revolution sind wir verantwortlich. In New York arrangiert Blume die zahlreichen kleinen Objekte ganz nach Beuys‘ Vorbild in Vitrinen, die jede für sich die Anmutung einer Miniatur-Installation haben. Die Wände sind überreich mit Grafiken bestückt. Die Dichte der mosaikartigen Hängung in mehreren Reihen macht es schwer, sich auf einzelne Blätter zu konzentrieren. Die Strategie ist klar: Es geht weniger um das Studium des einzelnen Werkes, als um die geballte Konfrontation mit dem Kosmos Beuys. Es ist die gleiche Taktik der Überrumpelung, die Blume auch in seiner Berliner Schau – dort allerdings in ungleich größerem Maßstab – anwandte, und über die sich durchaus streiten lässt. Filigranere Werke drohen in der schieren Masse übersehen zu werden, was es nicht gerade leichter macht sich ihrem subtil-rätselhaften Sinn zu nähern. Statt dessen soll die chaotisch dichte Atmosphäre gewissermaßen ihren eigenen, übergeordneten Sinnzusammenhang erzeugen. So ist die Ausstellung zugleich eine Art Versuchsanordnung, ein Labor, in dem die Kunstwerke wie Chemikalien vermischt und – bestenfalls – zur Reaktion gebracht werden. Durchaus „beuysisch“ gedacht und in seiner erregten Dynamik irgendwie passend für New York.

Ausstellung bis 18. April 2015, Mitchell-Innes & Nash, 534 West 26th Street, New York

Externe Links zum Thema:
Internetseite der Ausstellung bei Mitchell-Innes & Nash, New York
Fotostrecke zur Ausstellung auf Hyperallergic.com

Literatur zum Thema:
Heiner Bastian, Joseph Beuys Editionen, Sammlung Schlegel, Ostfildern 1999

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